Haben sie Einzigartig Gestagt ?

Das unscheinbare, im Herzen des Loiret und nur 2 Stunden von Paris liegende Dorf Germigny-des-Prés beherbergt einen in Frankreich einzigartigen Schatz: das karolingische Oratorium. Das im Jahr 806 errichtete Bauwerk ist eine der ältesten Kirchen Frankreichs. Diese Kirche, Zeugin der karolingischen Epoche und der Herrschaft Karls des Großen, ist unter anderem für ihr einzigartiges Mosaik berühmt.

 

 

Die Ursprünge

Germanicus baute während der gallo-römischen Epoche in Germigny-des-Prés eine Villa. Zur gleichen Zeit gab er dem Dorf seinen Namen. Im 7. und 8. Jahrhundert interessierten sich die Äbte der Abtei von Fleury in Saint-Benoît-sur-Loire für die Villa und machten sie zu ihrem zweiten Wohnsitz. Im 9. Jahrhundert wurde sie von einem engen Berater Karls des Großen erworben.

Es handelte sich dabei um Theodulf, den aus Nordspanien stammenden Abt von Fleury und Bischof von Orléans. Als Gelehrter, Dichter und Theologe beteiligte er sich an der von Karl dem Großen in die Wege geleiteten Renaissance des Bildungswesens.

 

Die Entstehung des Oratoriums

Theodulf ließ im 9. Jahrhundert das Oratorium (der Name ist aus dem lateinischen „Orare” (Beten) abgeleitet) errichten. Es entstand ein prachtvoll ausgeschmücktes Bauwerk mit Mosaiken, Intarsien und Marmor. Das in der Nähe der Villa errichtete und seinem Eigentümer vorbehaltene Bauwerk war ein privater Ort des Gebets. Es wurde im Januar 806 eingeweiht. Das auf dem Grundriss eines griechischen Kreuzes errichtete Oratorium maß damals lediglich 10 Quadratmeter! Es bestand aus einem Laternenturm, von dem vier in Apsiden endende Seitenarme ausgingen. Auf beiden Seiten der östlichen Apsis befanden sich außerdem zwei kleinere) Nebenapsiden. Im Mittelraum befinden sich vier Säulen mit Hufeisenbögen, die vom arabischen und westgotischen Baustil inspiriert sind.

Theodulf ließ sich von alten byzantinischen Kirchen und Monumenten inspirieren … Und hinsichtlich der Architektur und des Mosaiks seines Oratoriums vom Mausoleum der Galla Placidia in Ravenna und der Pfalzkapelle Karls des Großen in Aachen.

 

Der Wandel des Oratoriums

In der Zeit der normannischen Invasionen und Religionskriege war das Oratorium von Germigny Bränden und Zerstörungen ausgesetzt, die zum Verfall des Ortes führten. Im 15. Jahrhundert wurde das Bauwerk in eine Pfarrkirche umgewandelt und um ein Kirchenschiff erweitert.

Das karolingische Oratorium wurde 1840 unter Denkmalschutz gestellt. Es war eines der ersten Bauwerke, das diese Auszeichnung erhielt. Ab dem Jahr 1867 begannen umfangreiche Restaurierungsarbeiten und das Oratorium wurde größtenteils wieder aufgebaut. Die Arbeiten wurden von dem auf die Restaurierung historischer Monumente spezialisierten Architekten Juste Lisch geleitet.

Das Mosaik

Von den oben erwähnten prachtvollen Ornamenten ist heute nur noch das berühmte Mosaik vorhanden, das das Halbkuppengewölbe der Apsis bedeckt. Dieses Juwel wurde seinerzeit zu seinem Schutz unter Gips verborgen und 1820 von Kindern wiederentdeckt, die unter dem Gewölbe spielten und auf dem Boden Mosaiksteinchen fanden. Es ist das einzige erhaltene Mosaik karolingischen Ursprungs in Frankreich. Dieses 9 m² große Kunstwerk besteht aus 130.000 Gold-, Silber-, Glas- und Steinstücken.

Es stellt die Bundeslade dar: eine mit Gold bedeckte Truhe mit den Gesetzestafeln, die Moses nach der Bibel auf dem Berg Sinai übergeben wurden. Die Truhe ist mit zwei mit Gold bedeckten Skulpturen von Cherubinen verziert. Dies ist eine sehr seltene Ikonographie, weil man zu jener Zeit Darstellungen von Christus in Majestät oder der Jungfrau bevorzugte.

Es scheint, dass Theodulf etwas gegen Ikonen hatte. In der Tat war er gegen die bildliche Darstellung Gottes, von Christus, der Jungfrau und der Heiligen. Er wollte sie nicht als Menschen dargestellt sehen und dadurch Götzendienst verhindern. Deshalb ließ er die Bundeslade darstellen, um Gott und dessen Wort zu beschwören, ohne ihn zu zeigen. Diese Entscheidung könnte mit dem Bilderstreit zusammenhängen, einer Krise, die im 8. und 9. Jahrhundert die Kirche heimsuchte; es ging dabei um die Frage der Zulässigkeit von Bildern in Stätten des Gottesdienstes. Im Gefolge wurden zahlreiche Bilder von Bilderstürmern zerstört.

Unter der Bundeslade ist die folgende Inschrift zu finden:

„Schaue und betrachte das heilige Orakel und die Cherubim und das Leuchten der Arche des göttlichen Bundes. Bemühe Dich bei dieser Betrachtung den Herrn des Donners zu rühren, und bedenke Theodulf in deinen Gebeten.“

 

Die heutige Ausstattung

In der Kirche finden man heute noch heute Schätze wie die der Burgundischen Schule zugeschriebene, aus dem 16. Jahrhundert stammenden Pietà aus Eichenholz. Desgleichen ist das Bauwerk mit Statuen ausgeschmückt: die Jungfrau mit Kind aus dem 17. Jahrhundert, die Heilige Anna aus dem frühen 15. Jahrhundert, die Heiligen Baudèle und Vinzenz aus dem 16. Jahrhundert.
Die Kronleuchter an der Decke des Bauwerks stammen aus dem Jahr 2003. Sie wurden von den Ateliers Loire in Chartres (Eure-et-Loir) geschaffen und erinnern durch ihre Form an die Königskronen der Karolinger. Sie erinnern mit ihren Glastafeln auch an christliche Symbole, wie den Fisch, den Schlüssel des Heiligen Petrus, Alpha und Omega.

 

Besichtigung

Das Oratorium kann das ganze Jahr über kostenlos besichtigt werden.
Von April bis September: 9:30 bis 18:.30 Uhr
Von Oktober bis März: 10:00 bis 17:00 Uhr
(Kostenlose) Merkblätter zur Besichtigung und Audio-Führer (3 €) sind im Tourismusbüro erhältlich.

 

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